über die Macht in der Beziehung

– und wo wir sie überall finden können: dort wo sich einer auf den anderen bezieht und dabei auf die “richtigen“ Antworten hofft. Antworten, die das eigene Bedürfnis nach Sicherheit, Angenommenwerden, Zugewandtes Interesse des Anderen, Liebe und Zärtlichkeit, geteilte Wahrnehmung möglichst erfüllen sollen, mindestens aber damit in Kommunikation gehen sollten. 

 

Die Macht des Anderen, sie scheint sich also in seiner Handlungsoption in Richtung nicht erwünschter Antworten oder ausbleibender Erfüllungsabsicht zu äußern. Abwendung, Entzug bis hin zur Abstrafung durch eine sogar gegenteilige Antwort (als die die mutmaßlich erwünscht ist), all das stattet jeden der einzelnen Beziehungsteilnehmer in der Beziehung mit Macht aus. 

 

Ist die ›Macht in der Beziehung‹ schlecht? Eine Falle gar oder Verführung, hin zum Schlechten? Oder kann sie eben auch die wollende Verantwortung zur gelungenen Kommunikation bedeuten, zum Verstehen des Anderen und nicht zum Abwehren und Ausbremsen von dessen Wünschen, Absichten und Kommunikationsangeboten? 

 

Macht in der Beziehung lässt sich nicht “entmachten“

 

Macht ist immer da und immer wirksam, jedenfalls dort, wo wir in Beziehung sind und dort auch sein wollen (!). Wir können sie nicht leugnen oder in samtenen Worten auf eine (oft nur) vermeintliche Augenhöhe hohlen. Denn damit würden wir ignorieren, das Macht immer auch Abhängigkeit, oder besser: positives Ausgeliefertsein bedeutet. Und wir können diese Macht auch nicht durch eine wie auch immer angelegte Abschaffung von 'Unterschieden' (auch diese bedeuten Macht...) entmachten. 

 

Nein, es geht nicht um Respektlosigkeit oder gar verbale Gewaltätigkeiten. Nicht um die ganzen Spielarten der psychischen Gewalt und des emotionalen Missbrauchs, d in vielen Beziehungssystemen und Familiensystemen Alltag sind. Abwertende und destruktive Kommunikation ist zwar ein Instrument (und eine Waffe!) der Macht. Aber sie sind nicht ihre Folge. Sie sind ein Symptom unserer fehlenden Fähigkeit, den Anderen als das zu sehen, was er ist: Ein Anderer, der ebenso Macht besitzt wie ich selbst. 

 

Denn Macht bedeutet eben auch: Ich habe die positive und heraus-fordernde Macht, den Anderen als das zu sehen was er ist: in all seiner wie auch immer zu bewertenden Abweichung von meinen Wünschen und Vorstellungen, in all seiner Verletzlichkeit durch diese Differenz zu mir selbst! Aber auch in dem herausfordernden Blick auf seine Macht, die Macht des Anderen, die mich erblickt und mich in meinen eigenen Sichtweisen herausfordert. Die mir vielleicht nicht alle Wünsche erfüllt und die nicht jedes Wort zu mir so sagt, wie ich es gerne hätte. 

 

Abwendung kann auch Zuwendung bedeuten

 

 

Wir sollten lernen, Macht als mögliche Zuwendung zu begreifen. Denn dort, wo sie Abwendung bedeutet, ist sie letztlich eher ein Ausdruck eigener Ohnmacht. Das heißt nicht, dass man sich nicht auch abwenden muss oder es sogar sollte. Sei es, um sich selbst zu schützen und in einen heilsamen eigenen Raum zu kommen. Aber eine solche “Macht“ wird sich dem anderen, wenn sie ehrlich kommuniziert ist, nicht als abwendene und destruktive Macht aufzwingen. Sie wird ihm einfach zeigen, wo ich bin, in meiner eigenen positiven Macht, “ein Anderer zu sein“. Den keiner (kein “Anderer“) ist je in der Lage, sich immer nur zuzuwenden. Zuwendung und Abwendung können liebende Geschwister sein, die ihre Macht zur Liebe verantwortungsvoll miteinander in einen Dialog bringen. 

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